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„STURM“ Die Leseprobe

Veröffentlicht: 15. Oktober 2016 in STURM
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Manchmal wird aus dem Wind, der uns im Leben entgegen bläst, ein kräftiger Sturm. Schlagen Sie den Kragen hoch, nehmen Sie sich einen Drink und halten Sie sich gut fest. Denn dieser STURM ist gnadenlos, hart und direkt.

Damit Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen können, habe ich Ihnen ein paar Stellen aus meinem neuen Roman herausgepickt. Abgerundet mit Bildern, die ich teilweise an den Originalschauplätzen der Geschichte aufgenommen habe.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen – und hoffe natürlich, Ihr Interesse auf die ganze Story wecken zu können.

Ihr

Peeter Cavendish

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… Nach außen hin freilich tat ich völlig gelassen. Niemand durfte merken, wie aufgeregt ich war. Das wäre tödlich gewesen. Damals, als ich meine Firma gegründet hatte, noch alles alleine machte, war das egal. Aber heute war ich von lauter Topleuten umgeben, jeder hatte sein Spezialgebiet. Sie alle waren brillant, erfolgreich und hungrig. Und alle wollten nach ganz oben. Schwäche wurde gnadenlos ausgenutzt. Freundschaft existierte nicht. Respekt bekam nur, wer besonders brutal war. Wir waren Zombies. Wir schliefen nie, drehten immer im roten Bereich, nahmen uns, was wir wollten. Wir lebten schnell und unerbittlich. Und ich war der König unter diesen Killern. Ich hatte natürlich im Lauf der Zeit immer mehr Gesellschaftsanteile abgeben müssen, um die Firma immer noch größer und erfolgreicher zu machen. Aber ich ging dabei so vor, dass niemand an mir vorbeikam. Zumindest nicht, solange ich wach und vorsichtig blieb.

Die Konferenz war zu Ende, es gab nicht mehr viel zu sagen, jetzt würde alles seinen Lauf nehmen. Ich stand in meinem Büro und sah aus den raumhohen Fenstern auf die Stadt. Dieses Lichtermeer, das Ruhe ausstrahlte, fast schon Geborgenheit. Kurz stellte ich mir vor, wie Familien an Tischen saßen, zu Abend aßen, sich von ihrem belanglosen Tag erzählten. Eine Sehnsucht regte sich plötzlich in mir, unbestimmt, und es zog kurz in meinem Magen. Ich straffte mich, um dieses Gefühl abzuschütteln, das mir unangenehm war, und schenkte mir noch einen Drink ein …

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… Die letzte Firmenübernahme lief weiterhin problemlos ab und ich langweilte mich immer mehr. Die Abende verbrachte ich meistens in meinem Lieblingslokal, aß alleine, betrank mich danach in meiner Bar und hing meinen Gedanken nach. Diese Orte waren für mich, niemand aus der Firma kannte sie, hierher kam ich nur ohne Begleitung, wenn ich nachdenken wollte, oder, was häufiger der Fall war, wenn ich vergessen wollte. Wenn ich nicht zu betrunken war, ging ich danach noch in einen Club, in dem ich mir Sex kaufte. Anonymen, schnellen Sex, bei dem ich nichts denken musste, nichts sagen musste, bei dem ich nicht den Namen der Frauen kennen oder gar über irgendwelchen Blödsinn sprechen musste, der mich ohnehin nicht interessierte.

An einem dieser Abende war ich in meinem Lokal hängen geblieben. Ich hatte mir bereits zum Essen eine zweite Flasche Wein kommen lassen und mich danach mit einer Flasche Grappa endgültig abgeschossen. Es war ein Kampf gegen die Monster in meinem Kopf und wir probierten aus, wer stärker war, ob ich sie mit genug Alkohol ertränken, töten würde können, oder ob sie sich durchsetzten. Ich versuchte gerade, mir umständlich eine Zigarette anzuzünden, als sie plötzlich an meinem Tisch stand. Sie trug ein schlichtes schwarzes Kleid, hatte wieder ihre Haare hochgesteckt und sah mich ruhig an:
»Hallo Peeter.«
Ich musste zweimal hinsehen. Sie war unglaublich schön. Nicht hübsch, nicht süß, nicht attraktiv. Sie war einfach schön, perfekt, wie diese Models aus den Journalen, die man mit allerlei Tricks auf Hochglanz trimmt. Nur, sie war es in natura. Sie stand da und sah aus wie eine Göttin. Und ich war besoffen wie ein Penner. Ich konnte nicht glauben, dass ich sie ausgerechnet wieder traf, wenn ich in diesem Zustand war. Ich legte die Zigarette beiseite, versuchte möglichst nüchtern zu schauen und lächelte sie an:
»Vivian, wie schön! Bitte, setzen Sie sich.«
Sie nickte, zögerte einen Moment und nahm sich einen Stuhl. Ich winkte dem Kellner, bestellte uns zwei Drinks und wir schwiegen beide, bis die Getränke kamen. Dann spielte sie an ihrem Glas, nippte nur daran und sah mich schließlich voll an. Ihre Augen waren wie kalte Gebirgsseen, sie zeigten keine Regung, ließen auf nichts schließen, aber ich verlor mich in ihnen, wollte etwas sagen, da hob sie die Hand:
»Warum erkundigen Sie sich über mich?«
»Ich wollte Sie einfach wiedersehen.«
Sie zog die Augenbrauen hoch. »Und warum?«
»Weil Sie mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.« Erstaunlicherweise konnte ich wieder einigermaßen klar sprechen und ich hoffte inständig, dass sie nicht merkte, wie viel ich schon getrunken hatte.
Wieder zog sie die Augenbrauen leicht hoch, drehte das Glas in ihren Händen und dann lächelte sie leicht: »Soll ich Ihnen einen Kaffee kochen?«

Wir saßen in ihrem Jaguar und sie fuhr uns durch die Nacht. Die Bewegung des Autos sorgte dafür, dass sich alles um mich drehte, und mir war kotzübel, aber ich versuchte tapfer durchzuhalten. Ich wollte das nicht versauen, und ich klammerte mich unauffällig am Sitz fest, in der Hoffnung, dass er irgendwann aufhören würde, sich zu drehen. Eine Ampel sprang auf Gelb und sie fuhr viel zu schnell und erst wollte sie es noch schaffen, aber dann entschloss sie sich, doch zu bremsen, und der Ruck, den der Gurt auf meinen Magen ausübte, als der schwere Wagen so abrupt stehen blieb, gab mir den Rest. Ich schnallte mich ab, murmelte ein »Sekunde« und kam gerade noch aus dem Auto, bevor ich mir am Straßenrand die Seele aus dem Leib kotzte …

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… Die Nacht war mild und ich öffnete das Verdeck des Porsche und fuhr einfach los, ohne Plan, was wir tun sollten. Ich hatte keine Lust auf ein weiteres Lokal und direkt zu ihr zu fahren, erschien mir zu plump, und als ich sie gerade fragen wollte, ob sie meine Wohnung sehen möchte, sagte sie: »Es ist so warm, lass uns ein bisschen herumfahren, raus aus der Stadt.«
Ich nickte, wendete, und dann fuhren wir durch diese laue Nacht, und als die Landstraße durch ein Waldgebiet führte, sog ich den frischen Duft nach Kiefern tief in mich ein, und dann legte sie mir eine Hand auf den Schenkel. »Kannst Du mal halten, ich muss pinkeln.«
Ich bog in einen Waldweg ab, der nach ein paar Metern von einer Schranke versperrt war, und hielt. Sie sah mich von der Seite an: »Macht es dir was aus, mit rauszukommen, ich trau mich nicht alleine?«
Ich nickte und stieg mit ihr aus. Wir liefen um die Schranke herum, ich hatte die Scheinwerfer angelassen, und sie raffte ihr Kleid hoch und hockte sich hin, und scheinbar hatte sie gar kein Höschen an, und während ich ihr fasziniert zusah, blickte sie mich an und grinste: »Musst du nicht auch?«
Ich fand die Situation plötzlich geil und obwohl ich im Lokal auf der Toilette gewesen war, öffnete ich meine Hose und holte meinen Schwanz raus und ihre Augen bekamen einen seltsamen Glanz im Scheinwerferlicht und sie war wohl fertig, denn sie stand auf und stieg aus ihrem Kleid und stand nackt vor mir, mitten in diesem Wald im Nirgendwo.

Ihre Figur war atemberaubend, sie war groß, was mir erst jetzt so richtig bewusst wurde, als ich ihre langen Beine sah, die endlos zu sein schienen. Ich verhedderte mich in meiner Hose, die nach unten gerutscht war, als ich einen Schritt auf sie zumachte, aber sie kam mir entgegen und presste sich an mich und ich suchte gierig ihren Mund, und sie zu küssen war nochmals eine Steigerung zu dem, was ihre normalen Berührungen schon in mir ausgelöst hatten. Ich schob sie zurück zu der Schranke und drehte sie um, und sie fasste mit beiden Händen danach und beugte sich vor und dann endlich war ich in ihr. Ich hatte das Gefühl, meinen Penis in heiße Lava zu stecken. Ich zitterte schlagartig und stieß zu, und sie drängte mir ihren Arsch entgegen und dann fickten wir uns in diesem Scheißwald die Seele raus, bis wir beide schreiend kamen, und ich musste mich noch eine ganze Weile an ihr festhalten, weil meine Knie so wackelten, dass ich vermutlich einfach umgefallen wäre. Sie schmiegte sich an mich und so standen wir einfach da, während mein Samen langsam wieder aus ihr herauslief, und irgendwann lösten wir uns und zogen uns an und stiegen in den Wagen und dann rauchten wir schweigend eine Zigarette, bis ich endlich den Motor anließ und wir zurück in die Stadt fuhren …

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… Sie hatte mich hereingebeten und nun standen wir uns gegenüber, und einen Moment war ich aus dem Konzept und wusste nicht, ob die Idee tatsächlich so gut gewesen war. Sie sah mich immer noch fragend an und schließlich sagte ich:
»Kann ich dich für ein paar Tage buchen. Komplett, vierundzwanzig Stunden?«
»Wie meinst du das?«, sie klang unsicher, aber ihre Stimme hatte wieder diesen wundervollen melodischen Klang, der mir schon auf der Dachterrasse des Hotels aufgefallen war, neulich, bei einer unserer Partys, wo wir uns kennengelernt hatten.
»Ich muss ein paar Tage irgendwo wohnen, ich brauche Essen, und ein- oder zweimal ein Auto, um ein paar Dinge zu erledigen. Ich zahle dafür, ganz normal, deinen normalen Tarif.«
»Bist du in Schwierigkeiten?«
»Ein wenig. Aber ich habe nichts Schlimmes gemacht. Nur meine Frau, sie hat …«
»Sie hat dich rausgeworfen?«
»Ja. Aus unserem Haus, aus der Firma, das komplette Programm.« Ich überlegte kurz, ob ich es dabei beließ, dann ergänzte ich: »Und sie hat mir die Behörden auf den Hals gehetzt. Ich brauche einfach ein paar Tage, um nachdenken zu können.«
Sie sah mich lange an, dann nickte sie langsam: »Du kannst hierbleiben. Das ist okay. Du musst mich dafür auch nicht bezahlen. Ich bin die ganze Woche gebucht, ich werde eh nicht viel zu Hause sein.«

Ich hatte mich geduscht, endlich wieder mit heißem Wasser, rasiert und meine Unterwäsche und meinen Anzug direkt in den Müll gestopft. Jetzt saß ich mit meinen neuen Sachen auf ihrer Couch, rauchte und trank ihren Whiskey, den ich im Schrank gefunden hatte. Sie schlief nebenan, für sie war es Schlafenszeit, damit sie die Nacht durchhielt, wenn sie Arschlöchern wie mir dabei half, ihr beschissenes Leben für einen Moment im Rausch von Alkohol, Drogen und bezahltem Sex auszublenden.

Der Aufruhr in meinem Körper beruhigte sich langsam. Ich war aus der Schusslinie, vorerst nur, aber es war ein gutes Gefühl. Endlich konnte ich nachdenken, zumindest hatte ich das vor, aber die Augen wurden mir schwer und ich hatte Mühe, sie noch offen zu halten, und irgendwann ließ ich mich einfach seitlich auf das Sofa kippen und schlief ein…

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… Der Zug stand schon eine ganze Weile und ich blickte noch immer unentschlossen aus dem Fenster. Nachdem ich zuerst durch die kahle und verregnete Gegend gefahren war, die die letzten Jahre so etwas wie meine Heimat gewesen war, hatte das Bild langsam gewechselt. Zuerst waren nur hier und da ein paar Wiesen weiß eingezuckert, aber je weiter der Zug fuhr, umso höher lag der Schnee. Als wir uns schließlich die ersten Anhöhen der Alpen hinaufkämpften, hatte ich fasziniert auf die Berggipfel geblickt, die wie in Watte eingepackt alles an Geräuschen zu verschlucken schienen.

Mein Zug endete in Österreich und ich nahm sofort den nächsten, der verfügbar war, und kam diesmal bis Rom. Als der Zug sich langsam aus den Bergen hinunterwandt, wurden die Wiesen erst schmutzig braun, wechselten zu zartem Grün, um schließlich langsam so intensiv und tief zu leuchten, wie wir es bei uns nur im Sommer kennen. Als ich in Rom ankam, war meine Winterjacke schon viel zu warm und ich schwitzte, während ich versuchte, gleich wieder die nächste Möglichkeit zu finden, meine Reise fortzusetzen. Von hier aus konnte ich jeden erdenklichen Winkel ganz im Süden des Landes erreichen, und da es mir letztlich egal war, entschied wieder der Zug das Rennen für sich, der als erster weiterfahren würde.

Ich war noch einmal umgestiegen, in irgendeinen Bummelzug, der mich, so hatte es mir der freundliche Schaffner versprochen, bis ganz ans Meer bringen würde. Und nun standen wir an einem winzigen Bahnhof in irgendeinem verlassenen Nest und niemand wusste, warum wir nicht weiterfuhren. Die Station war mehr als in die Jahre gekommen. Die Fassade, ehemals terrakottafarben, war verwittert und überall blätterte der Putz ab. Die Bahnhofsuhr, die stolz auf einem kleinen Turm thronte, war längst stehen geblieben. Ich sah eine Eselskarre und traute meinen Augen nicht, dass es so etwas tatsächlich noch gab. Ein paar Stände waren aufgebaut, an denen Obst und Käse verkauft wurden. Ein paar Männer standen herum, rauchten und unterhielten sich gelassen. Kinder spielten auf der Straße Fußball und es parkten nur vereinzelt ein paar Autos. Ich hatte das Fenster geöffnet und die Luft, die hereinkam, roch bezaubernd nach irgendwelchen Kräutern, die ich nicht kannte, und nach Salz und Fisch – wir waren wohl tatsächlich inzwischen direkt am Meer. Die ganze Szene wirkte wie aus einem Sechzigerjahre-Film. Antiquiert, alt, morbid – aber gerade das machte den Charme aus. Es hätte mich nicht gewundert, wenn alles auch noch in Schwarzweiß gewesen wäre, passend zu meiner Vorstellung eines alten ’’Film noir’’. Ich sah aus den Fenstern auf der anderen Seite des Zuges, und dort erblickte ich eine Art Bistro, gegenüber dem Bahnhof. Es sah gemütlich aus, ein paar Tische standen draußen, ein paar Männer saßen dort, hatten einen Drink vor sich – die meisten ein Glas Wein – und alles wirkte so entspannt, so gelassen. Ich dachte, wie schön es wäre, jetzt ebenfalls dort zu sitzen und ein Glas Wein zu haben, und dann wurde mir klar, dass dem nichts im Wege stand, und so packte ich meine Sachen und verließ den Zug, um in dieses Lokal zu gehen.

Kaum war ich auf dem Bahnsteig, ertönte ein schriller Pfiff, und der Zug setzte sich stöhnend in Bewegung. Ich zuckte mit den Schultern. Fast schien es, er hätte nur gewartet, bis ich endlich ausstieg.

Ich betrat das Lokal, sie nannten es ’’Bar’’, aber es war mehr eine Mischung aus Kaffeehaus, Bistro und Kiosk. Ich sah, dass man Zeitungen und Zigaretten kaufen konnte, es gab kleine Snacks, die in einer Vitrine feilgeboten wurden, und eine lange Theke, dahinter ein hohes Regal, gut bestückt mit allen Sorten Alkohol, und das Prunkstück war ein Monster von Kaffeemaschine, chromglänzend, dominant, genau in der Mitte aufgestellt, die im Sekundentakt kleine Koffeinbomben ausspuckte.

Ich setzte mich an die Bar und der Wirt nickte mir freundlich zu. Ich bekam ein Glas Wein und während ich noch überlegte, was ich essen sollte, stellte er eine ganze Batterie an Snacks vor mich hin. Ich sah mich um, es war später Vormittag, aber einige Tische waren schon besetzt. Ein paar Männer spielten Karten, andere lasen Zeitung oder diskutierten lautstark über irgendetwas. Die Einrichtung war dunkel, aber ordentlich, es gab einige Stühle und Tische und auch ein paar schwere Sessel, die um kleine Kisten herumstanden, die als Ablagen dienten …

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… Am Hafen lerne ich Salvatore kennen. Er ist Fischer. Manchmal, wenn es auch am frühen Morgen nicht klappt, dass ich doch etwas schlafen kann, laufe ich zur Mole und sehe den Fischerbooten zu, die nach einer langen Nacht auf See wieder einlaufen. Fast alle Boote sind alt und verrostet und klein und scheinen unter der Last des Fangs fast zu kentern. Auf den meisten Booten sind mehrere Leute und ich habe den Eindruck, es sind immer Vater und Sohn, und manche haben wohl auch eine kleine Mannschaft. Eins der Boote ist jedoch nur mit einem Mann besetzt. Er steht am Steuer, groß und kräftig, und kommt meist als Letzter rein. Ich sitze auf einem Poller, rauche und lasse die Szenerie auf mich wirken, als er mich anspricht: »Wollen Sie Fisch kaufen?«
Ich zucke mit den Schultern: »Ich weiß nicht. Nein, eigentlich nicht. Ich koche nie selbst.«
Er schaut mich an und ich mustere ihn. Sein Alter ist undefinierbar, sein Gesicht sieht aus wie Leder, besonders zähes Leder, tiefe Furchen, konserviert von Salz und Wind und einem vermutlich schon sehr langen Leben. Nur seine Augen sind jung. Sie blicken mit einer Klarheit umher, flink und eindringlich, als scannten sie in Sekundenschnelle alles und jeden. Er überlegt kurz, dann fragt er mich: »Wollen Sie mal einen probieren?«
Ich verstehe nicht, was er damit meint, und blicke ihn fragend an.
»Kommen Sie. Ich grille uns ein paar Fische. Frischer kriegen Sie die nirgends.«
Ich zögere kurz, zu skurril ist die Situation, aber dann zucke ich wieder mit den Schultern und klettere zu ihm an Bord.

Das Boot ist größer, als es aussieht, eine kleine Treppe führt nach unten und ich sehe eine Art winzigen Schlafraum, scheinbar wohnt er auf seinem Schiff. Die Fangbehälter sind randvoll mit allerlei Fischen und an Deck kokelt ein kleiner Grill vor sich hin, den ich von der Mole aus gar nicht bemerkt hatte. Er wählt ein paar aus und zeigt sie mir und ich nicke anerkennend.
»Willst du sie ausnehmen?«, fragt er mich, und ich schaue ihn blöde an und er lacht, ein raues Lachen, wie aus einem Film, und er schüttelt den Kopf und grinst:
»Du lebst noch nicht lang am Meer, oder?«
»Nein. Noch nicht sehr lang.«
»Willst du es lernen?«
Ich nicke und dann zeigt er mir, wie man den Fisch ausnimmt, und zuerst finde ich es eklig, aber dann reiße ich mich zusammen, denn eigentlich sollte man alles, was man ißt, auch selbst zubereiten können, und plötzlich beneide ich ihn. Um sein Leben, das er in meiner Vorstellung führt. Den festen Rhythmus, den er hat, den ihm das Meer und die Gezeiten vorgeben und dem er folgt.

Er hält mir den zweiten Fisch hin und während ich unter seinem kritischen Blick beginne, ihn aufzuschneiden, greift er hinter sich und holt eine Flasche Wein hervor und zwei Gläser und schenkt uns ein.

Dann grillt er die Fische, er reibt sie dazu nur mit etwas Olivenöl ein und gibt ein paar Kräuter und etwas Salz hinzu. Sie schmecken herrlich und wir essen und trinken seinen Wein und für einen Moment vergesse ich meine Gedanken und sitze mit diesem Fremden, der mir so seltsam vertraut scheint, auf einem schaukelnden Boot, esse und genieße den Wein.

Er stellt keine Fragen, woher ich komme und warum ich ausgerechnet hier gelandet bin, und eine Weile schauen wir aufs Wasser und sprechen gar nichts. Irgendwann frage ich ihn, wie es ist, nachts, draußen auf dem Meer, und er erzählt mir von den langen Stunden, meist in absoluter Finsternis, von der Hoffnung auf einen guten Fang, von der Angst, wenn das Meer rau und unerbittlich ist. Von den vielen Freunden, die nicht mehr zurückkamen und deren Boote nie gefunden wurden, er erzählt es einfach so, ohne Theatralik oder Effekthascherei. Es ist einfach seine Geschichte, und ich sitze da und biete ihm von meinen Zigaretten an und höre ihm fasziniert zu …

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… Wir liegen auf dem Bett und das Mondlicht taucht das Zimmer in kaltes schwarzes Licht. Normalerweise bin ich ungeduldig, hastig, will es schnell und hart, will nur das Vergessen endlich finden. Sie liegt in meinen Armen und ich blicke sie an. Sie ist wunderschön, ich verliere mich in ihrem Gesicht, meine Hände erkunden ihren Körper. Sie hat wundervolle Brüste, groß und schwer und weich und durch ihre Jugend straff und aufregend. Ihre Brustwarzen sind hell und ihre Nippel klein und hart. Ich zögere lange, sie zu berühren, ihren Busen anzufassen. Ganz vorsichtig streichle ich ihn und dann küsse ich ihn, und als ich ihre Nippel in den Mund nehme, richten sie sich steil und hart auf, und sie stöhnt kurz und dann fasst sie nach mir, und plötzlich bin ich in ihr und sie ist heiß und feucht und ich bewege mich ganz langsam, höre immer wieder kurz auf, um es auszukosten, und immer wieder muss ich sie küssen und sie presst sich an mich, und als ich in ihr komme, ist es nicht wild und heftig, wie sonst, sondern ruhig und lange, und mir wird fast schwindlig davon, so unglaublich intensiv spüre ich es, und sie stöhnt auch und dann halten wir uns einfach fest und können uns nicht voneinander lösen, und dann schlafe ich irgendwann einfach ein.

Die Sonne weckt mich und einen Moment lang bin ich völlig ohne Erinnerung, doch dann fällt mir die Nacht wieder ein und ich muss lächeln und greife neben mich, aber das Bett ist leer und sie ist fort, und zum ersten Mal bekomme ich fast Angst, sie könnte gegangen sein. Ich schlüpfe in eine Hose und beeile mich, nach unten zu kommen. Auch im Wohnzimmer und in der Küche kann ich sie nicht finden, und gerade als sich ein dunkler Schatten in meinen Kopf schieben will, schaue ich aus dem Fenster und da sitzt sie, am Strand, ganz oben auf den Dünen, direkt am Haus, und hat die Arme um die Knie geschlungen und starrt aufs Meer.

Ich koche Kaffee und fülle zwei Tassen und dann gehe ich raus zu ihr und halte ihr die Tasse hin: »Guten Morgen.«
Sie sieht auf, und ihr Blick ist leicht verlegen und sie lächelt wieder scheu, und dann nimmt sie die Tasse: »Danke!«

Ich setze mich neben sie in den Sand und zünde mir eine Zigarette an, und dann sitzen wir da und schauen aufs Wasser und keiner weiß so recht, was er sagen soll. Gelegentlich nimmt sie mir die Zigarette aus der Hand, macht einen Zug und blickt dann dem Rauch hinterher.

Die ersten Fischerboote sind zu sehen, die Kurs auf den kleinen Hafen nehmen, und ein Schwarm Möwen begleitet als Konvoi kreischend die Ankunft. Das Meer hat sich beruhigt und plätschert träge ans Ufer, und alles wirkt plötzlich so vertraut und ich lege meinen Arm um sie, und sie kommt mir sofort entgegen – so als hätte sie darauf gewartet – und schmiegt ihren Kopf an mich, und zum ersten Mal, seit ich hier bin, muss ich es wissen, und ich schlucke zwei- oder dreimal und dann frage ich sie: »Du hast mir deinen Namen noch gar nicht gesagt?«
Sie blickt mich an und ihre grünen Augen bekommen einen Glanz, und dann lächelt sie und sagt: »Ich dachte schon, du fragst mich nie. Ich heiße Amelie.«

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… Ich nehme die Fische aus und bereite Wasser für die Nudeln vor und den Sud für die Muscheln, und dann heize ich meinen Grill an, was nicht einfach ist, weil ich ihn noch nie benutzt habe, seit ich hier wohne, aber endlich brennt er, und der Qualm zieht durch den hohen Kamin über das Dach ab, und ich setze mich auf die Veranda. Ich nippe gelegentlich an meinem Rum und als das Glas leer ist, hole ich mir die Flasche nach draußen und rauche, und dann starre ich über die Hügel nach unten, wo die ungeteerte Straße beginnt, die sie heraufkommen muss, und warte darauf, dass ich eine Staubwolke sehe.

Ich muss wieder eingenickt sein, denn ich schrecke hoch, als mein Fiat mit knirschenden Reifen vor der Veranda hält. Amelie steigt aus und sie hat sich umgezogen und trägt knappe Shorts und ein Top, und ich denke, sie ist perfekt gekleidet für mein Barbecue. Sie strahlt mich an und wir küssen uns, und dann halte ich sie an den Händen und schaue in ihre Augen, und alle Ängste, die ich tagsüber gehabt hatte, sind plötzlich weg, und ich fühle mich klar und frisch, und dann schenke ich ihr ein Glas Rum ein und sie erzählt mir von ihrem Tag, als würden wir uns schon ewig kennen.

Ich hatte uns die Nudeln gekocht und mit Garnelen und Muscheln serviert und danach den Fisch auf den Grill geworfen, und sie aß mit großem Appetit und wir tranken zwei Flaschen Weißwein, und sie erzählte mir von ihrem Leben und ihrer Familie, und immer wenn sie mir Fragen stellte, wich ich ihr aus und wechselte schnell das Thema, und als sie mich ganz konkret fragte, warum ich hier gelandet sei, log ich und sagte, ich sei Schriftsteller und würde nach Ideen für ein neues Buch suchen. Sie gab sich damit zufrieden und als der Wein alle war, holte ich uns Grappa und diesen süßen Zitronenlikör, den es hier überall immer nach dem Essen gibt, und wir tranken weiter und dann schauten wir der Sonne zu, wie sie im Meer versank, und ich schlug vor, an den Strand zu gehen. Sie stand auf und dann knickte sie etwas ein und ich fing sie auf, und als ich ihren Körper spürte, wurde mir wieder ganz warm und ich nahm sie in die Arme. Ich fuhr mit meiner Zungenspitze die Konturen ihrs Mundes nach und dann küssten wir uns, lange und ruhig zuerst, bis wir beide immer erregter wurden, und ich hatte meine Hände auf ihren Pobacken liegen und sie presste ihren Unterleib gegen mich, und dann ließ ich mich nach unten in die Knie sinken und knöpfte ihre Shorts auf und streifte sie ihr ab. Wie gestern, trug sie kein Höschen und sie war rasiert, was ich normal nicht mochte, aber bei ihr gefiel es mir, und ich ließ meine Zunge zuerst sanft um ihre Schamlippen kreisen, bevor ich ganz tief in sie glitt, und sie stöhnte auf und zog meinen Kopf so fest in ihren Schoß, dass ich fast nicht mehr atmen konnte, aber das war mir egal, ich brauchte keine Luft mehr, und in ihrem Schoß zu ersticken, wäre mir in diesem Moment das Liebste gewesen. Schließlich löste ich mich etwas und schob mich wieder nach oben, sie hatte ihr Top bereits ausgezogen und ich ließ meine Zunge und mein nasses Gesicht dabei über ihren Bauch und ihre vollen großen Brüste streifen und machte sie überall auch ganz nass. Sie nestelte an meiner Hose und als ich sie endlich ausziehen konnte, stellte sie ein Bein hoch, auf die untere Latte des Verandazauns, und ich drang in sie ein, und diesmal wollten wir es beide hart und schnell, und als wir dann laut stöhnend gleichzeitig kamen, war es trotzdem anders als sonst, trotzdem zärtlich, weil wir uns nicht voneinander lösten, sondern uns einfach aneinander festklammerten, und so standen wir endlos und sie atmete feucht gegen meinen Hals, und ich küsste sie ab und zu in den Nacken und wir hielten uns weiter einfach aneinander fest.

Später lagen wir auf meinem Bett, draußen war ein Gewitter aufgezogen und immer wieder zuckten grelle Entladungen über den Himmel und tauchten das Zimmer für Sekunden in gleißendes Licht, und man brauchte dann jeweils immer ein paar Augenblicke, bis man wieder etwas sehen konnte. Den Blitzen folgten so gewaltige Donner, dass das Haus jedesmal in seinen Grundmauern erzitterte, und man konnte gar nicht den Abstand dazwischen zählen, weil das Unwetter direkt über uns war, und der Lärm war so ohrenbetäubend, dass ich jeden Gedanken verlor, und wir lagen einfach engumschlungen und bestaunten dieses Naturschauspiel.

Als das Gewitter etwas weiterzog, liebten wir uns wieder, diesmal ruhig und lange und unaufgeregt, und es war einfach nur diese Nähe, die mir so guttat, und als wir erschöpft voneinander ließen, hielt ich sie weiter im Arm, bis ihre Atemzüge regelmäßig und ruhig wurden, und dann stand ich vorsichtig auf und ging nach unten, um, wie die meisten Nächte, auch diese wach und unruhig zu verbringen.

Nach dem Gewitter hatte Regen eingesetzt, es goss unbeschreiblich, und ich stand an der offenen Terrassentüre, an den Rahmen gelehnt, und trank ein Bier aus der Flasche, während ich in die Nacht und den Regen starrte und an gar nichts dachte …

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… Der Tag war grau und dicke schwarze Wolken hingen tief über dem Meer. Die Luft war salzig und roch nach Tang. Ich lief meine übliche Runde am Strand und musste ständig Treibholz ausweichen, das das Unwetter in der Nacht ans Ufer gespült hatte. Ein Schwarm Möwen hatte sich vor mir im Sand festgesetzt, an einer Stelle, an der ein ganzer Haufen toter Fische lag. Sie machten mir nur widerwillig Platz, hielten mich für einen Konkurrenten, der ihnen ihre Beute streitig machen wollte. Es roch streng, der Fisch verweste schon in der noch immer lauen Luft. Ich versuchte, ganz flach zu atmen, und beeilte mich, die Stelle zu passieren.

Amelie hatte früh losgemusst nach unserer Nacht, und ich hatte ihr wieder meinen Wagen gegeben. Sie würde ihn, wie gestern, zurückbringen, und das wäre dann schon der dritte Abend, den wir zusammen verbrachten. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Sie zog mich unglaublich an, aber ich hatte auch Angst. Angst vor der Nähe, Angst, vor den Gefühlen, die ich für sie entwickelte. Kurz schob sich das Gesicht von Vivian vor meine Augen. Vivian. Es war so lange her, inzwischen, aber es verging immer noch kein Tag, an dem ich mich nicht erinnerte. Erinnerte an sie, an mein Leben, an alles, wie es gewesen war, als ich noch jeden Tag wusste, was ich zu tun hatte. Nicht morgens schon angeödet war von der Vorstellung, dass ein weiterer Tag begann, den ich irgendwie herumbringen musste, und das mit der Gewissheit, dass ein weiterer dieser öden Tage folgen würde und noch einer und immer so weiter. Ich hatte bis jetzt keinen Plan entwickelt, was ich eigentlich tun wollte. Anfangs hatte ich gedacht, ich bliebe für ein paar Wochen, erhole mich, lecke meine Wunden und kehre dann zurück, hole mir zurück, was mir gehört. Meine Firma, mein Leben, Vivian. Ja, vor allem Vivian.

Langsam erreichte ich den Rand des Ortes mit seinen ersten Ausläufern und ich musste nur vom Strand weg nach oben laufen, um zu meiner Bar zu kommen. Ich warf einen langen Blick auf das Meer, das trüb und schmutzig grün wütend weiter hohe Wellen produzierte, und ganz obenauf bildeten sich weiße Schaumkronen, und der Horizont war nicht zu sehen, er lag verborgen im Nebel, den Wolken und der Gischt.

Ich betrat die Bar und nickte dem Wirt zu, der mir unaufgefordert einen Krug mit Rotwein befüllte und vor mich hinstellte. Ich zündete mir eine Zigarette an und dann verließ ich meinen Platz an der Bar und setzte mich ans Fenster, von dem aus man das Meer sehen konnte, und während ich in die Ferne starrte, spulten in meinem Kopf immer wieder Bilder ab, von damals, einzelne Sequenzen nur, Erlebnisse, die ich mit Vivian gehabt hatte, unser erstes Mal in diesem Wald, an der Schranke, unsere spontane Hochzeit, die Zeit danach, als ich zur Höchstform aufgelaufen war und überall mitmischte, geschäftlich, in der Gesellschaft und auch, ja, bei anderen Frauen, von denen ich doch nie ganz die Finger hatte lassen können, auch nicht, als ich dachte, mit Vivian endlich die Frau gefunden zu haben, die ich immer gesucht hatte. Der viele Alkohol, die Drogen, Hotelzimmer blendeten sich ein, wilde Partys, ja, eher Orgien, die wir gefeiert hatten.

Ich trank langsam den Krug leer und der schwere Wein wärmte erst den Magen und dann packte er meine Erinnerungen in Watte, gerade noch rechtzeitig, bevor ich an die Stelle kam, als alles kaputtging, alles zerbrach, als Vivian ausgeholt hatte, mich zu vernichten…

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… Ich wachte auf und war mir sicher, dass es schon Vormittag sein musste, aber es war noch dunkel im Zimmer und ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, dass es an den Wolken lag, die sich hartnäckig hielten und keine Sonne durchließen. Das Bett neben mir war leer und nach ein paar Anläufen schaffte ich es, meinen Blick so weit zu fokussieren, dass ich meine Uhr ablesen konnte, und tatsächlich, es war bereits elf vorbei. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so lange am Stück geschlafen hatte, und ich versuchte, die Bilder von der letzten Nacht in meinen Kopf zu bekommen, aber es gelang mir nicht.

Als ich aufstand, wurde mir kurz schwarz vor Augen, und ich stieß mit dem Fuß gegen eine Weinflasche, die klirrend auf den Fliesenboden kippte und dann wegkullerte. Eine zweite Flasche lag leer neben dem Aschenbecher. Ich ging ins Bad und hielt den Kopf unter kaltes Wasser und zog ihn dann schnell zurück, als ich merkte, dass zuerst nur eine sandige Brühe aus dem Hahn lief, was normal war, nach so einem Unwetter.

Als ich in der Küche saß, Kaffee trank und rauchte, fiel mir langsam der Abend wieder ein. Wir hatten am Fenster gestanden und irgendwann hatte sie mich gefragt: »Wie lange bist du schon hier, in diesem Ort?«
»Es sind bald drei Jahre.«
Sie nickte, trank einen Schluck Wein. Dann sah sie mich von der Seite an: »Und vorher, wo warst du vorher?«
»In Frankfurt.« Auch ich trank etwas Wein. »Zumindest die letzten Jahre«, schob ich hinterher.
Wieder nickte sie und ich spürte, dass sie viele Fragen hatte, aber nicht wusste, wie sie sie stellen sollte oder ob sie die Antworten überhaupt wissen wollte, und plötzlich stieg eine leichte Panik in mir auf, Panik, sie zu verlieren, und Panik, etwas falsch zu machen, und ich zitterte und wieder überfluteten mich all die Bilder aus meinem früheren Leben, und dann griff sie nach meiner Hand und schob mich zum Bett. Sie zog mir die Hose aus und begann mich zu küssen, überall, kleine leichte Küsse, die auf der Haut kitzelten, und irgendwie erwischte sie genau immer die Stellen, an denen meine Anspannung am größten war, und meine Muskeln begannen sich zu lockern und ich entspannte mich immer mehr, und schließlich war sie in der Mitte angekommen und sie nahm ihn in den Mund und ließ ihre Zunge sanft kreisen und massierte dabei leicht meine Eier, und ich vergaß plötzlich alles und jeder Gedanke verschwand, und als mein Kopf ganz leer war, ergoss ich mich in ihren Mund, und sie küsste und liebkoste meinen Schwanz noch eine ganze Weile, bis auch er ganz schlaff und entspannt war, und dann musste ich eingeschlafen sein.

Später ging ich nach draußen, um zu sehen, ob das Unwetter Schäden angerichtet hatte, aber es schien alles in Ordnung und trotz des Regens lief ich ein paar Meter in Richtung Strand, und dann stand ich auf der Düne und versuchte, das Meer vom Himmel zu unterscheiden, was unmöglich war, weil beides grauschwarz ineinander überging, und ich dachte, dass ich bald verrückt würde, wenn ich nicht endlich wieder die Sonne sehen könnte. Ich stand endlos lange einfach so da, versuchte, die Gedanken zu unterdrücken, und ließ mir den Regen ins Gesicht peitschen. Und als ich lange genug so dagestanden hatte, fingen meine Tränen an, sich mit den Regentropfen zu vermischen, und ich ließ es einfach zu und blieb weiter stehen …

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… Ich verlegte meine langen Strandrunden auf den späten Nachmittag. Es gefiel mir, auch wenn Amelie alleine zur Arbeit fuhr, am Vormittag in den Ort zu gehen und bei Franco zu frühstücken. Bei ihm lief ich nicht Gefahr, so viel Schnaps zu trinken wie in meiner kleinen Hafenkneipe, und außerdem hatte ich plötzlich das Bedürfnis, wieder mehr unter Menschen zu sein, wieder am Leben teilzunehmen. Früher war ich meist nur einmal die Woche dort gewesen, wenn Markt war, um einzukaufen, und ansonsten lieber in der Abgeschiedenheit meines Hauses und am Strand geblieben.

Jetzt kaufte ich mir ein paar Zeitungen, dann setzte ich mich an meinen Tisch und Franco brachte mir nach und nach meine Getränke. Wenn Amelie abends nach Hause kam, fuhren wir meistens irgendwohin, um zu essen, oder liefen einfach am Strand entlang, redeten viel und lernten uns immer besser kennen. Nur zu meiner Vergangenheit stellte sie nie mehr Fragen und so beließ ich es bei dem, was ich ihr erzählt hatte, und mein früheres Leben und Vivian wurden immer mehr zu gesichtslosen Geistern, die es fast nie mehr schafften, bis zu mir vorzudringen.

Es waren erst einige Tage vergangen seit dem Abend in der Kneipe, aber mir kam es bereits jetzt schon vor, als wäre mein Leben immer so gewesen. Ich richtete mich darin ein, als würde es nie mehr anders sein können, und genoss es in vollen Zügen.

Doch, wie im Leben, so ändert sich auch am Meer alles ganz schnell. Die ersten Vorboten des Herbstes kamen mit Wolken und einem neuen Sturm. Ich fuhr trotzdem in den Ort, ich wollte diese Veränderung nicht, wollte an meinem Ritual festhalten. Es war zu windig, um draußen zu sitzen, und so suchte ich mir einen neuen Stammplatz im Lokal. Franco stand hinter der Theke, polierte hingebungsvoll mit einem Lappen darauf herum und ich hatte ein Dröhnen in den Ohren und mir war komisch. Ich musste schon den ganzen Morgen immer wieder an eine Szene denken, von damals, als ich Vivian gerade geheiratet hatte und anfing, mein Leben zu mögen. Und wie dann alles plötzlich kaputtging. Damals hatte ich auch dieses Dröhnen gespürt, wie einen Vorboten, der nichts Gutes verheißt.

Franco brachte meinen Kaffee, nickte mir zu und stand dann unschlüssig an meinem Tisch.
Ich sah ihn fragend an: »Was ist. Passt dir das Wetter jetzt auch wieder nicht?«
Er grinste kurz, ganz flüchtig, dann sah er mich an: »Es war jemand hier, Peeter, hat nach dir gefragt. Er hat ein Foto von dir herumgezeigt …«
Mir war plötzlich kalt, eisig kalt, von innen heraus. Sie hatten mich also gefunden!

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STURM ist hier erhältlich:

-> Taschenbuch

-> ebook

-> Der Action-Trailer: youtube

-> Der Romantik-Trailer: youtube

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Cover-Gestaltung Mona Mour, Fotos: (c) shutterstock

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STURM – Teil VI / Leseprobe

Veröffentlicht: 1. Oktober 2014 in STURM
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Da ich sie immer noch für eine Einheimische halte, will ich sie auf keinen Fall mit zu mir nach Hause nehmen, und so fahre ich einfach in Richtung Ort. Sie sieht mich von der Seite an und sagt: »Ich kann so nicht zu mir«, und sie schaut dabei so verloren, dass es mir plötzlich egal ist, und ich wende und fahre auf der fast überfluteten Straße zurück und vorbei am Strand, wo wir gerade waren, in Richtung zu meinem Haus. Ich wohne sehr weit außerhalb und einen Moment ist sie etwas skeptisch, ob ich ich nicht einfach mit ihr irgendwohin fahre, aber als ich auf dem Vorplatz parke, entspannt sie sich und steigt mit mir aus. Wir sind völlig eingesaut mit Sand und Schlamm, und als ich den Schlüssel aus seinem Versteck nehme und mich zu ihr umdrehe, hat sie bereits ihre nassen Sachen auf dem Stuhl auf der Veranda ausgebreitet und folgt mir dann zögernd nach drinnen. Sie sieht sich interessiert um und dann zieht sie ihr T-Shirt über den Kopf und wirft es achtlos in eine Ecke und fragt mich, ob sie duschen darf.
Während ich oben das Wasser rauschen höre, schenke ich mir ein Glas Rum ein und zünde mir eine Zigarette an. Der Sand in meiner Hose beginnt zu jucken und ich streife die Jeans ab und werfe sie zu ihrem T-Shirt auf den Boden.
Sie duscht lange und als sie endlich wieder nach unten kommt, hat sie sich in ein Handtuch gewickelt und ist kein bisschen erstaunt, dass ich nackt im Wohnzimmer stehe.
Ich habe das Glas nochmal aufgefüllt und drücke es ihr in die Hand, genauso wie die gerade erst angezündete Zigarette und gehe nach oben, um auch zu duschen.
Ich dusche noch länger als sie und verfluche mich, dass ich ihr das Glas gegeben habe, statt es mit ins Bad zu nehmen, und als ich lange genug getrödelt habe, höre ich plötzlich das Geräusch eines Feuerzeugs im Schlafzimmer nebenan und dort steht sie am Fenster – völlig nackt. Der Regen hat aufgehört und die Sonne scheint wieder und der Rum im Glas, das sie mit nach oben genommen hat, glitzert goldfarben im Sonnenlicht und wirft bezaubernde Farbsprenkel auf ihre braune Haut. Sie steht mit dem Rücken zu mir und schaut aus dem Fenster auf das Meer und obwohl ich es nicht sehen kann, weiß ich, dass sie gerade wieder diesen Schmerz in den Augen hat, und ich räuspere mich kurz, damit sie nicht erschrickt und trete von hinten an sie heran und schließe meine Arme um sie und halte sie einfach fest.
Wir stehen lange so und als ich beginne, mich zu wundern, warum es mich nicht erregt, sie so eng zu halten, nackt, bewegt sie ihre Hüften leicht und augenblicklich explodiert mein Penis und wird so hart, dass ich es nicht vor ihr verbergen kann. Sie kreist weiter mit ihrem Po und scheinbar hat sie darauf gewartet, denn sie ist so feucht, dass ich plötzlich, ohne es zu planen, in sie hineinrutsche, ganz tief, und sie klammert sich an mir fest und stöhnt leise.
Ich drehe mich mit ihr um und bleibe dabei in ihr und schiebe sie in Richtung Bett und sie kniet sich darauf und ich beginne mich in ihr zu bewegen, langsam erst, und während ich das tue, frage ich mich wieder, was dieses Tattoo zu bedeuten hat, auf ihrem Rücken, das so gar nicht zu ihr passt.

Später liegen wir auf dem Bett und sprechen kaum, ich habe die Flasche Rum nach oben geholt und wir trinken und rauchen, und immer wenn sich dieser Schmerz in ihre Augen legt, halte ich sie, ganz fest, und wiege sie leicht hin und her, bis die Anspannung wieder aus ihr weicht.

Als ich aufwache, ist es schon hell und ich bin ganz benommen, und auf dem Boden steht die Flasche Rum, leer, und der Aschenbecher ist so voll, dass einige Kippen danebengefallen sind. Ich schaue mich im Zimmer um und sie ist nicht da, und ich bin froh, dass ich alleine bin und wanke ins Bad, um zu duschen. In der Nacht ist der Regen zurückgekommen und das Meer ist grün und unruhig und ich werde die nächsten Tage nicht an den Strand können. Als ich aus dem Bad komme, rieche ich Kaffee, und als ich gerade überlege, ob ich mir das nur einbilde, höre ich Geschirr klappern und das bedeutet, sie ist nicht gegangen, wie all die anderen, die genau gemerkt haben, dass es mir lieber ist, wenn man sich nie mehr sieht, und die verschwunden sind, nachts, heimlich, leise – manchmal sicher mit ein paar Tränen.

Ich atme tief durch und gehe die Treppe nach unten, und sie sitzt am Tisch und hat ein T-Shirt von mir an und ein Bein hochgestellt, auf den Stuhl, und eine große Kaffeetasse in der Hand, aus der es dampft, und eine Zigarette glimmt im Aschenbecher, und als sie mich sieht, lächelt sie scheu

STURM erscheint 2016 als Roman. Für Updates folgen Sie mir bitte auf Twitter: @PeeterCavendish