Fünf ultimative Tipps, wie Sie (Schreib)-Blockaden überwinden – nicht nur für Autoren

Veröffentlicht: 11. Mai 2016 in writing
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Wenn Sie Schreiber sind, kennen Sie das. Das Böse, das Grauen, dieses ’’Schreibblockade’’. Es lauert in allem, was Sie schreiben. Egal ob Blog, Artikel oder gar ein Buch. Aber auch allen anderen, die irgendeine Art von Projekt durchführen, kann es passieren, daher habe ich meine ultimativen Tipps gegen dieses Ungeheuer gesammelt. Ich betone, es sind meine ganz eigenen Strategien, ich rate Ihnen nicht, diese zu befolgen, im Gegenteil, ich warne Sie ausdrücklich davor, es zu tun. Also, machen Sie hinterher nicht mich dafür verantwortlich, wenn Sie meine Tipps befolgt haben und sich noch tiefer in die Scheiße geritten haben. Sollten Sie mit meinen Strategien dagegen Ihre Blockade durchbrechen und den ultimativen Bestseller in den Markt feuern können, dann bedenken Sie mich gerne mit einem Anteil an Ihren Multi-Millionen-Tantiemen. Danke!

Jeder Autor ist anders, jeder arbeitet anders. Ich habe von welchen gelesen, die haben feste Zeiten, zu denen sie schreiben. Cool! Oder andere, die setzen sich jeden Tag ein bestimmtes Ziel, Seiten oder Wörter – und halten das ein. Sehr geil! Ich beneide sie darum. Ich kann das alles nicht. Ich schreibe wie im Wahn, egal wann das ist, oder aber ich schreibe nicht, weil mir nichts einfällt, oder, richtig furchtbar, ich weiß genau, was ich schreiben will, aber ich bringe es nicht zu Papier. Das ist fast noch schlimmer. Und dann verbringe ich volle Tage, ja, manchmal sogar schon Wochen damit, den ganzen Tag auf den Bildschirm zu starren, und am Abend habe ich dann vielleicht zwei Kommata versetzt und ein oder zwei Wörter gelöscht.

Was also dagegen tun? Hier sind sie nun, meine Top-Five der Anti-Blockade-Strategie:

Platz 5: ’’Real Racing’’ spielen. Natürlich geht auch jede andere Art Spiel, das Sie auf dem Smartphone, Tablet oder Rechner haben. Wichtig ist nur, dass es kein Spiel ist, das in sich abgeschlossen ist. Man muss sich über Stunden darin verlieren können, immer noch ein Level absolvieren wollen, hängen bleiben. Treiben Sie das so richtig weit. Ich spiele so lange, bis es mich völlig ankotzt, dass ich ganze Stunden damit sinnlos verschwendet habe. Danach schreibe ich lieber und fühle mich gut, als noch so einen vergeudeten Nachmittag zu erleben.

Platz 4: ’’Echte Arbeit’’ erledigen. Schreiben ist ja Spaß. Irgendwelche Projekte, die man Ihnen als Nicht-Schreiber aufs Auge gedrückt hat, sind zusätzliches Pensum. Also, wenden Sie sich Ihrem eigentlichen Job zu. Sie haben keinen anderen Job? Okay, dann machen Sie Ihre Steuererklärung. Sie werden schnell merken, wie öde das ist. Mir ist davon nach einer halben Stunde so schlecht, dass ich lieber wieder schreibe – und so den Traum vom Millionen-Bestseller auslebe.

Platz 3: ’’Alkohol’’. Natürlich, jetzt schreien Sie auf! »Alkohol ist keine Lösung!« Mir aber egal. Ich mache vieles mit, aber nüchtern ein ganzes Buch schreiben? Nichts für mich. Die Formel ist ganz einfach: alles, was mein Protagonist den Roman über so trinken muss, trinke ich auch. In Ihrem Buch trinkt keiner? Schade, dann sollten Sie diesen Tipp vielleicht nicht ganz so ernst nehmen. Und bevor Sie mir böse Kommentare schreiben: ich hatte ausdrücklich davor gewarnt, irgendetwas nachzumachen …

Platz 2: ’’Social Media’’. Jaa, endlich, werden Sie sagen, endlich gehen wir mal online. Ob Facebook, Instagram, Pinterest, Twitter (mein Favorit) oder was auch immer, nirgends kann man mehr Zeit rumbringen als online. Die Älteren unter Ihnen wissen das spätestens seit unseren Tagen, als wir mit 56K-Modems durch AOL-Chatrooms gekrochen sind. Aber: online finden Sie auch Ihre Leser. Nehmen Sie Kontakt auf! Gehen Sie ins Gespräch! Jeder kennt diese Typen, die irgendein Produkt haben (ja, auch unsere Bücher sind Produkte) und dann dreimal täglich kommentarlos einen Link zu amazon posten. Sowas braucht kein Mensch. Wenn ich schreibe, dann bin ich glücklich, oder leide, oder weine, oder lache, oder bin frustriert. Posten Sie das! Erzählen Sie den Leuten davon. Das ist auch nicht schlimmer als irgendein anderer Büro- oder Döner-Tweet. Social Media Networks ersetzen keine Menschen, heißt es immer, aber, hinter jedem Account steht ein Mensch. Ein echter. Und manche davon hören sogar zu, freuen sich mit einem, wenn man wieder ein paar Seiten geschafft hat, oder trösten auch mal, wenn es gerade nicht läuft.

Platz 1: ’’Der Turnaround’’. Mein persönliches Highlight. Wenn gar nichts mehr geht, fange ich von vorn an. Nein, nicht, dass ich alles nochmals neu schreibe. Aber gedanklich. Ich gehe das gesamte Projekt nochmal durch, ich lese alles von Anfang an, nicht als Autor, sondern als Leser. Und dann suche ich mir in den gängigen Datenbanken mein Cover-Bild aus und schicke es dem Designer. Denn der Designer ist ein Profi. Und wir Autoren – zumindest ich – sind Zicken. Mein Designer sagt mir prinzipiell erstmal, dass mein Bild Scheiße ist, das Format nicht passt, das Licht nicht stimmt, die Auflösung falsch ist, die Zielgruppenorientierung total daneben geht usw. Ich sage ihm dann, dass er keine Ahnung hat und überhaupt. Und dann diskutieren wir, reiben uns, kämpfen und irgendwann ist alles gut und man hat das Buchcover. Und das kann man ausdrucken, an die Wand pinnen, auf die Rückseite ’’Das ist ein Gutschein für mein nächstes Buch’’ schreiben und es Freunden und Familie schenken und es im Internet zeigen. Und spätestens dann nimmt das Ganze so deutlich Gestalt an, dass ich es nicht mehr erwarten kann. Dass ich richtiggehend gierig werde, endlich in diese Tastatur zu dreschen und weiter zu schreiben. Weil jedes Buch ein Stück von mir selbst ist. Und ich es viel zu sehr liebe, dieses Schreiben, als dass ich dieser ’’Blockade’’ zu lange Raum geben würde, mich davon abzuhalten.

Bonus-Tipp: ’’Die Muse’’. Ja! Wenn Sie eine Muse haben, dann sind Sie fein raus. Eine ’’Muse’’ kann vieles sein. Es kann Ihre Familie sein, eine Frau, ein Mann, ein Hund, ganz egal. Einer Muse kann man vorlesen, was man bis jetzt geschrieben hat, man kann sich Streicheleinheiten abholen, ob verbal oder nonverbal, je nach Muse. Man bekommt Lob, Aufmunterung, Anerkennung. Man ist nicht allein. Eine Muse ist das Nonplusultra an Turbo-Boost. Die Muse begleitet einen durch die tristen Stunden des Zweifelns und feiert mit einem die Momente des Glücks. Suchen Sie sich eine Muse. Glauben Sie mir.

writing

Folgen Sie mir auf Twitter: @PeeterCavendish

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Kommentare
  1. Martina Ebert sagt:

    Sehr geehrter Herr Cavendish,
    Ihre Ausführungen sind sehr interessant.
    Oft liest man ein Buch, macht sich aber keine Gedanken, wie es wohl dem Autor während des Schreibens ergangen ist.
    Interessant ist auch, dass Sie für eine Muse plädieren. Ich dachte immer, es sei ein Relikt aus alten Zeiten oder eine Erfindung der Schriftsteller. So eine Muse hat ja demnach auch eine große Verantwortung.
    Ich habe Ihr Buch gelesen, es hat mir sehr gefallen.
    Herzliche Grüße

    Martina Ebert

    • Liebe Frau Ebert, herzlichen Dank für Ihre Zeilen. Es freut mich sehr, dass Ihnen mein Buch gefallen hat, auch dafür Danke!
      Sicher ist die sich den ganzen Tag nackt neben dem Künstler räkelnde Muse ein Klischee. Aber neben nur dauernörgelnden Verlagen, Agenten und Lektoren braucht man einen Ausgleich. Ein Buch ohne eine Muse, wie ich sie in meinem Artikel beschrieben habe, zu verfassen geht zwar, aber es ist ungleich härter.
      Ganz herzliche Grüße
      Ihr
      Peeter Cavendish

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